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ereb - afrik - ereb afrik
EREB: Abendländisches Stimmungsbild, die Erde parterre, verdunkelt: ereb (hebr.) dunkel, Abendland oder Europa, die aus Phönizien, also aus Asien stammt - geholt von Zeus als weißem Stier, kretische Vergewaltigung, Katastrophe, womit Europa begann. Oder auch nicht.

AFRIK: Der Konzertflügel - schwarzer Kontinent in europäischer Hand, vorerst vornehmlich unter westlichen Fingern - mit seiner Umrissform von Afrika. Seine bieder-bürgerliche Version, das Pianino, eliminiert den Kontinent und das Platzproblem, wird zum Kasten, zum Möbel. Zehnfingersystem auf der Tastatur (beim Computer heißt es dann keyboard), ein Anschlag - es klingt, unheimlich.

ereb afrik: ein interdisziplinäres Projekt von Hannes Löschel (Klavier, präpariertes Klavier), Johannes Novohradsky (Fotografie, Videografie), Burkhard Stangl (Komposition) mit Beteiligung von Josef Novotny (8Kanal Audio)

hörbeispiele
alle mp3, 128 kbp/s, 1 minute 30
very slow and soft (1 minute 30, ca.1,4 mb)
gary´s step melvins slow and soft (1 minute 30, ca.1,4 mb)
there is a mountain freddie freeloader [false start] k_1 (3 minuten, ca.2,8 mb)
gary´s step melvins ending
(0 minuten 53, ca.0,85mb)

chronologie
Der Arbeitsbeginn an der Klavierkomposition ereb afrik fällt in das Jahr 1998. Schon länger hatte ich daran gedacht, für den Pianisten Hannes Löschel ein Stück zu schreiben, eine Kompositionsstipendium der Kulturabteilung der Stadt Wien gab mir die Gelegenheit dazu. Allerdings war ich zu dieser Zeit auch mit einer wissenschaftlichen Publikation beschäftigt, sodaß von Anfang an klar war, die Sache langsam angehen zu müssen. Dies stellte sich als großer Vorteil heraus: So konnte sich mit Hannes Löschel gewissermaßen eine künstlerische Arbeitsgemeinschaft entwickeln. Zahlreiche Anregungen von Hannes Löschel flossen mittelbar und unmittelbar in den Kompositionsprozeß ein, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Die Hierarchie - hier Komponist, da Interpret - wurde aufgrund der engen Kooperation zwischen uns sukzessive unterlaufen, gleichzeitig aber auch da, wo es notwendig war, aufrecht erhalten.

Unsere Arbeitsgemeinschaft wurde alsbald durch Hinzuziehung von Josef Novotny als Verantwortlichen für Technik und Elektronik sowie durch die Gewinnung von Johannes Novohradsky als Verantwortlichen für die Komponenten Live-Visuals, Video, Photographie und Dokumentation zu einem Quartett erweitert. Schließlich kam es im März 2001 zur Uraufführung von ereb afrik im Porgy & Bess, Wien. Josef Novotny besorgte die notwendigen Voraufnahmen, Einspielungen und die Klangregie, Johannes Novohradsky die Live-Visuals und die, die Aufführung begleitende Material-Ausstellung zu ereb afrik. Die Live-Aufführung des Klavierstücks unterscheidet sich von der CD-Version, denn zwei live gespielte Sätze der Originalkomposition wurden für diesen Tonträger nicht berücksichtigt. Jene beiden nicht verwendeten Sätze - einer expressiv (sehr schnell), der andere geradezu brachial (clusters) - arbeiten mit dem Raum, bedürfen einer umfassenden Mikrophonierung und raumfüllenden Plazierung der Lautsprecher und damit einer aufwendigen Klangregie. Die durch den Raum wandernden Klänge können in einem Stereobild nicht wiedergegeben werden. (Dies berücksichtigend, erfolgte die Live-Aufnahme im Dolby-Surround-Modus, man hätte also die Klangwirkung auf einer DVD und dementsprechenden Abhöranlage bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen können. Die sehr aufwendige Produktion einer audio-DVD war mir denn doch zu groß). Das ist der eine Grund, die beiden Sätze für die vorliegende CD nicht verwendet zu haben. Der andere, wichtigere Grund besteht darin, daß ich zur Auffassung gelangt bin, eine insgesamt ruhige Stimmung würde der Klavier-CD gut tun. Und das umso mehr, als sich die Realisierung eines improvisierenden ereb afrik-Kollektivs immer mehr herauskristallisierte.

Im Sommer 2003 war es dann soweit: Hannes Löschel, Josef Novotny und ich trafen uns zu einer Aufnahmesession, wobei sowohl die Partitur des Klavierstücks als auch der vorhandene Mitschnitt als Folie dienten, auf der sich unsere Trio-Improvisationen entfalten könnten. Trotz dieser Vorgabe war klar, sich weder in Dynamik und Intensität noch atmosphärisch dem Klavierstück anpassen oder gar unterordnen zu wollen. Zuguterletzt entschlossen wir uns noch, jeweils eine Remix-Miniatur der Original-Klavierkomposition zu produzieren. Dabei fanden auch die auf der CD ausgeblendeten Sätze sehr schnell und clusters Verwendung und somit subkutan Eingang in die ereb afrik-Tonträgerproduktion. Eine besondere Bedeutung kommen den Photographien, den Videos und der Materialiensammlung von Johannes Novohradsky zu. Seine Arbeit geht weit über eine dokumentarische Begleitung des Projekts hinaus; sie ist ein eigenständiges künstlerisches Manifest, eine durch Musik beeinflußte Photographie (Novohradsky) und Videoarbeit. Außerdem sind Live-Visuals von Johannes Novohradsky integraler Bestandteil jeder ereb afrik Performance. (Burkhard Stangl)